Kapelle

Die Geschichte der Kapelle

In Wien leben vermehrt orthodoxe Christen, die sich eine seelsorgliche Betreuung in deutscher Sprache wünschen. So beschloss der 2011 inthronisierte Metropolit von Austria Arsenios, eine deutschsprachige Gemeinde zu gründen und setzte diesen Entschluss per Metropolitandekret im Jahr 2017 in die Tat um.

Gleichzeitig reifte die Idee heran, das vom Hafnersteig ebenerdig zugängliche Kellergewölbe der Adresse der Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit (Fleischmarkt 13) zu adaptieren. Mit Unterstützung von dem Projekt gegenüber aufgeschlossenen Wohltätern wurden die notwendigen Schritte gesetzt, bis die Räume soweit hergerichtet waren, dass sie am 27. Februar 2018 von Seiner Allheiligkeit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel im Beisein Seiner Heiligkeit des Papstes und Patriarchen Theodoros II. von Alexandrien eröffnet werden konnten.

Seine Eminenz Metropolit Arsenios von Austria stellt seither der deutschsprachigen Gemeinde die Kapelle zum Heiligen Johannes Chrysostomos am Hafnersteig 8, 1010 Wien, für die sonntägliche Liturgie zur Verfügung. Während der Woche wird die Kapelle für viele andere pastorale und liturgische Zwecke der Metropolis genutzt.

Johannes Chrysostomos – Patron der Kapelle und Schutzpatron der deutschsprachigen Gemeinde

Nicht von ungefähr wurde der Heilige Johannes Chrysostomos zum Patron der Kapelle (und auch zum Schutzpatron der deutschsprachigen Gemeinde) erwählt: Als Erzbischof von Konstantinopel war er um eine den Menschen gute, verständliche Seelsorge bemüht. Daher wies er der damals in Konstantinopel durchaus großen gotischen Gemeinschaft, die die Beschlüsse des Konzils von Nizäa angenommen hatten und damit in voller Glaubensgemeinschaft mit den Griechen standen, eine Kirche zu und setzte Seelsorger ein, die die Liturgie in der Muttersprache der Goten feierten. Von besonderem Interesse ist, dass Johannes Chrysostomos selbst immer wieder die Liturgie in der den Goten zugewiesenen Kirche zelebrierte bzw. die Predigt hielt, die für die Goten simultan übersetzt wurde: In der Patrologia Graeca, tom. LXIII, Sp. 499, beginnt die Achte Homilie mit dem Hinweis: „Ejusdem homilia habita in ecclesia Pauli, Gothis legentibus […], postquam presbyter Gothus concionatus fuerat.“ / „Τοῦ αὐτοῦ ὁμιλία λεχθεῖσα ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ τῇ ἐπὶ Παύλου, Γότθων ἀναγνόντων, καὶ πρεσβυτέρου Γότθου προομιλήσαντος.“

(Vgl.  KARMANN, Thomas: „Verachte die Welt, reiß das Himmelreich an dich!“ Johannes Chrysostomus und die Reform spätantiker Großstadtgemeinden, in: Merkt, Andreas / Wassilowsky, Günther / Wurst, Gregor (Hgg.), Reformen in der Kirche. Historische Perspektiven, Freiburg i.Br. 2014, 51-94, hier: 86f., und den ebenda erwähnten SCHÄFERDIECK, Knut: Johannes Chrysostomos und die Ulfilanische Kirchensprache, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 117, no. 2/3 (2006), 289-296. Vgl. weiters SCHNEIDER, Alfons Maria: Gotengrabsteine aus Konstantinopel, in: Germania 21, no. 3 (1937), 175-177)

Die Ausgestaltung der Kapelle

Die Kapelle ist im klassischen byzantinischen Stil ausgestaltet. Die in weißem Marmor ausgeführte Ikonostase erinnert besonders an die in ihrer heutigen Form aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche Panagia Kapnikarea im Herzen von Athen, die in ihrer Anlage auf einen Vorgängerbau aus dem 5. Jahrhundert zurückgeht. Ikonostasen ähnlicher Art findet man in Athen weiters in der Kirche der Theotokos Gorgoepikoos und des Hl. Eleutherios (das ist das kleine Gotteshaus an der Südseite der Kathedralkirche Athens) sowie in der Kirche der Verklärung des Erlösers an den nördlichen Steilwänden der Akropolis.