Kapelle

Die Geschichte der Kapelle

Die Gottesdienststätte der deutschsprachigen Gemeinde ist die Kapelle zum Heiligen Johannes Chrysostomos am Hafnersteig 8, 1010 Wien.

Der 2011 inthronisierte Metropolit von Austria Arsenios erkannte recht früh das Desiderat einer deutschsprachigen Gemeinde: Die Zahl der in Wien lebenden Orthodoxen ist im Steigen; einige von ihnen sprechen keine der Sprachen der in Wien ansässigen orthodoxen Kirchen. Um nachhaltig Seelsorge betreiben zu können, entstand der Wunsch, eine deutschsprachige Gemeinde ins Leben zu rufen. In Ermangelung einer Gottesdienststätte für eine deutschsprachige Gemeinde reifte die Idee heran, das vom Hafnersteig ebenerdig zugängliche Kellergewölbe der Adresse der Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit (Fleischmarkt 13) zu adaptieren. Mit Unterstützung dem Projekt gegenüber aufgeschlossener Wohltäter wurden die ersten Schritte gesetzt, bis die Räume soweit hergerichtet waren, dass sie am 27. Februar 2018 von Seiner Allheiligkeit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel im Beisein Seiner Heiligkeit des Patriarchen Theodoros II. von Alexandrien eröffnet werden konnten.

Johannes Chrysostomos – Patron der Kapelle und Schutzpatron der deutschsprachigen Gemeinde

Nicht von ungefähr wurde der Heilige Johannes Chrysostomos zum Patron der Kapelle erwählt: Als Erzbischof von Konstantinopel war er um eine den Menschen gute, verständliche Seelsorge bemüht. Daher wies er der damals in Konstantinopel durchaus großen gotischen Gemeinschaft, die die Beschlüsse des Konzils von Nizäa angenommen hatten und damit in voller Glaubensgemeinschaft mit den Griechen standen, eine Kirche zu und setzte Seelsorger ein, die die Liturgie in der Muttersprache der Goten feierten. Von besonderem Interesse ist, dass Johannes Chrysostomos selbst immer wieder die Liturgie in der den Goten zugewiesenen Kirche zelebrierte bzw. die Predigt hielt, die für die Goten simultan übersetzt wurde: In der Patrologia Graeca, tom. LXIII, Sp. 499, beginnt die Achte Homilie mit dem Hinweis: „Ejusdem homilia habita in ecclesia Pauli, Gothis legentibus […], postquam presbyter Gothus concionatus fuerat.“ / „Τοῦ αὐτοῦ ὁμιλία λεχθεῖσα ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ τῇ ἐπὶ Παύλου, Γότθων ἀναγνόντων, καὶ πρεσβυτέρου Γότθου προομιλήσαντος.“

(Vgl.  KARMANN, Thomas: „Verachte die Welt, reiß das Himmelreich an dich!“ Johannes Chrysostomus und die Reform spätantiker Großstadtgemeinden, in: Merkt, Andreas / Wassilowsky, Günther / Wurst, Gregor (Hgg.), Reformen in der Kirche. Historische Perspektiven, Freiburg i.Br. 2014, 51-94, hier: 86f., und den ebenda erwähnten SCHÄFERDIECK, Knut: Johannes Chrysostomos und die Ulfilanische Kirchensprache, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 117, no. 2/3 (2006), 289-296. Vgl. weiters SCHNEIDER, Alfons Maria: Gotengrabsteine aus Konstantinopel, in: Germania 21, no. 3 (1937), 175-177)

Die Ausgestaltung der Kapelle

Die Kapelle ist im klassischen byzantinischen Stil ausgestaltet. Die in weißem Marmor ausgeführte Ikonostase erinnert an die in ihrer heutigen Form aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche Panagia Kapnikarea im Herzen von Athen, die in ihrer Anlage auf einen Vorgängerbau aus dem 5. Jahrhundert zurückgeht.